Mein lokales Käseblättchen erwähnt in den letzten Tagen immer wieder den "Herbst der Entscheidungen". Nein, der steht nicht bevor, der liegt hinter uns, es war der Herbst 2010. Und ja, ich kann mich sogar daran erinnern, daß eine Angela Merkel davon gesprochen hat. Bloß, welche Entscheidungen sind im Herbst 2010 getroffen worden? Ich könnte jetzt nachschauen, aber wenn unsere hochverehrte Frau Bundeskanzlerin von einem solch entscheidenden Herbst gesprochen hat, muß man sich doch erinnern.
Also, da war ein Herr Rösler, der hat damals entschieden, daß eine Gesundheitsreform am besten als Beitragserhöhung zu Lasten der Arbeitnehmer durchzuführen sei. Dann hat eine Frau Merkel entschieden, wie die Innenausstattung ihrer neuen Kanzlermaschinen auszusehen habe, damit ihre Fernreisen noch luxuriöser werden. Das Volk hat ihr doch auch sonst alles zu gönnen. Und da war ein Herr Schäuble, der hat damals entschieden, daß der Euro-Rettungsschirm eine einmalige Angelegenheit sei und garentiert nicht ("Darauf können Sie wetten!") verlängert werde. Inzwischen hat er Ewigkeitsrang...
Das war es schon. Da bestimmt noch viel zu entscheiden wäre, könnte Merkel diesen Slogan ja noch einmal benutzen, also einen neuen "Herbst der Entscheidungen" ankündigen. Was natürlich auch heißt, daß im Frühjahr nichts getan und im Sommer Urlaub gemacht wird. Um im Herbst... Ach, nächstes Jahr ist wieder Herbst und 2013 auch. Spätestens dann wird über Merkel entschieden, doch ich glaube nicht, daß sie noch solange durchhält. Da gibt es nämlich eine Beobachtung von Parkinson, also von Northcode C. Parkinson, nicht von dem Erfinder der gleichnamigen Krankheit. Sobald eine Organisation oder ein Mächtiger sich so richtig pompös eingerichtet hat, ist er weg vom Fenster. Als Versailles fertig gestellt war, hat das französische Königtum nicht mehr lange überlebt. Als Kohl seine Riesenwaschmaschine von Kanzleramt fertiggestellt hatte, wurde er abgewählt. Und Merkel hat jetzt ganz großartige Kanzlerflugzeuge...
Eine kleine Beobachtung am Rande: Wir haben hier in Würzburg derzeit ein Frühjahrsvolksfest. Ich bin heute am Festplatz vorbeigefahren und habe, soweit es die Verkehrslage erlaubt, einen neugierigen Blick hinüber geworfen, gerade genug, um die erste Attraktion am Haupteingang zu erkennen: einen Geldautomaten. Ja, das ist nötig, in einer Zeit, in der sogar Kleinbeträge "bequem per Karte" bezahlt werden. Vermutlich denken viele Mitmenschen nicht daran, daß man auf einem Volksfest mit Bargeld bezahlen muß. Und damit die Damen und Herren Volksfestbesucher für ihre Schusseligkeit nicht mit einem Weg zur Bank büßen müssen, hat man ihnen diesen Geldautomaten hingestellt.
Das ZDF hat endlich herausbekommen, wer "Jack the Ripper" gewesen ist, jener legendäre und bestialische Frauenmörder. Und natürlich, es war ein Deutscher! Ein Angehöriger eines zivilisierten Volkes wäre zu solch brutalen Schlächtereien auch gar nicht fähig gewesen. Laut ZDF war ein Matrose mit dem schönen "deutschen" Namen Karl Feigenbaum. Der Name deutet darauf hin, daß dieser Schwerverbrecher einer bestimmten Religionsgemeinschaft angehörte, also ein Auserwählter des auserwählten Volkes war. Volk? Entschuldigung, natürlich will ich damit nicht behaupten, daß das deutsche das auserwählte Volk sei. Jedenfalls wanderte der "Deutsche" Karl Feigenbaum wie so viele andere seiner Glaubensgenossen nach Amerika aus. Dort hat er wieder gemordet, wie es seine Natur gewesen ist, und wurde auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet.
Quelle: http://www.michaelwinkler.de/Kommentar.html (7 April 2011)







