Dienstag, 1. März 2011

Analyse: Die tatsächlichen (!) Arbeitsmarktzahlen Februar 2011

Dienstag, 01. März 2011 erstellt von: Julie

Liebe Leser,

hier nun wieder die regelmäßige Analyse von Sybilla. Die Version der Bundesagentur gibt es als separaten Beitrag.

Deutschland: Arbeitsmarkt Februar 2011:

Korrektur der Statistik der Arbeitslosen und Arbeitsuchenden für den Januar 2011. Seit Januar hat sich die regionale Zuständigkeit der Träger der Grundsicherung in Sachsen und Sachsen-Anhalt verändert.

Im Zuge dieser Trägergebietsreform kam es im Berichtsmonat Januar 2011 bei der Erstellung der Arbeitsmarktstatistik zu Ungenauigkeiten bei der regionalen Zuordnung der Arbeitslosen und der Schätzung fehlender Daten, die nunmehr rückwirkend berich- tigt werden. … Der Bestand an Arbeitslosen erhöht sich da durch für den Januar geringfügig um 2.770 oder 0,08 Prozent auf 3.349.788.

(BA – Bericht Februar 2011 Seite 12)

14.2.2011 – Städte so hoch verschuldet wie nie

Zitat:

Trotz des Wirtschaftsaufschwungs stecken die Kommunen in Finanznöten. Für 2010 verzeichnen sie ein Defizit von 9,8 Milliarden Euro, und die Schulden sollen weiter steigen…. Die schwerste Hypothek der städtischen Haushalte seien die immer weiter wachsenden Sozialausgaben…

Die Zahlen für Februar 2011

BA Bericht Februar 2011 Seite 47 die offizielle Zahl der registrierten Arbeitslosen wird im Februar 2011 von der BA mit 3.317.099 Personen beziffert zusätzlich waren nach vorläufigen Schätzungen der BA waren (im Februar 2011) 1.318.426 Personen in arbeitsmarktpolitische Instrumente beschäftigt BA Bericht Februar 2011 Seite 47 (Er- fahrungsgemäß steigt diese Zahl in den folgenden BA Monatsberichte noch erheblich an).

(BA – Bericht Februar 2011 Seite 79 Fußnote 3 – Es ist von einer Untererfassung aus- zugehen, so haben bundesweit für 2010 [Januar bis September, Datenstand Dezem- ber 2010 - endgültige Werte] nur ca. 69 % der Träger Daten zum Einsatz der komm. Eingliederungsleistungen (flankierende Leistungen) erfasst.) Im BA- Bericht Dezember 2010 wurde die Erfassung mit 76 % angegeben.

Entlastend wirkt außerdem ein seit mehreren Jahren rückläufiges Arbeitskräfteange- bot,

Bitte beachten sie auch die Fußnoten zur Untererfassung BA Bericht Februar 2011 Seite 79

Unterbeschäftigung Februar 2011: (4.287.000) Personen Unterbeschäftigungsquote 10,1 %

7.605.352 Leistungsempfänger (Rechtkreis SGB II/SGB III):

darunter:

Arbeitslosengeld 1.072.747 Personen

erwerbsfähige Hilfebedürftige (Alg II) 4.763.138 Personen

nicht erwerbsfähige Hilfebedürftige (Sozialgeld) 1.769.467 Personen

( nicht berücksichtigt sind Leistungsempfänger von Wohngeld, Kinderzuschlag, Grundsicherung im Alter, Sozialhilfe SGB XII…)

BA Bericht Februar 2011 Seite 47 3) Endgültige Werte stehen erst nach einer Warte- zeit fest. Am aktuellen Rand können die Daten aufgrund von Erfahrungswerten über- wiegend hoch gerechnet werden.

Im Oktober 2010 bezogen mit 1,40 Mio gut 29 Prozent der erwerbsfähigen Leistungs- bezieher in der Grundsicherung Einkommen aus Erwerbstätigkeit, 28.000 bzw. 2 Pro- zent mehr als vor einem Jahr. 1,28 Mio der erwerbstätigen Leistungsbezieher übten eine abhängige Beschäftigung aus, während 126.000 ausschließlich oder zusätzlich einer selbstständigen Tätigkeit nachgingen. (BA Bericht Februar 2011 Seite 22)

Bedarfe / Leistungen / Einkommen – statistik.arbeitsagentur.de

Was haben ergänzendem Hartz IV/ALG II und Kobraschwänze gemein

Viele dachten und manche „Experten“ forderten ein Kombilohnmodel (ergänzendesALG II/Hartz IV) zur Reduzierung die Arbeitslosigkeit in D. Als in den 1930ern Indien von einer Kobrainvasion heimgesucht wurde, setzten die Behören eine Fangprämie auf Kobraschwänze aus, was dazu führte das Kobraschlange gezüchtet wurden, aber deren Reduzierung nicht förderte.

Drn gleiche Effekt ist nun am Arbeitsmarkt zu beobachten, mit ergänzenden ALG IILeistungen züchtet der Arbeitsmarkt Kombilohnarbeitsplätze, aber die Zahl der Leis- tungsempfänger wird dadurch kaum reduziert, die Belastung der Kommunen und die Belastung der Solidargemeinschaft der Steuerzahler steigt weiter an. Die Sozialkas- sen verlieren Einnahmen.

Das Fazit ergänzende Hartz IV/ALG Leistungen setzen die falschen Anreize, besser wäre es die Arbeitgeber zur Schaffung von sozialversicherungspflichtiger Arbeit zu motivieren, somit würden die Kommunen und die Solidargemeinschaft der Steuerzah- ler entlastet, auch die Sozialkassen profitieren mehr von sozialversicherungspflichtiger Arbeit als von Niedriglöhnen.

417.000 gemeldete Stellen,

nicht saisonbereinigt belief sich der Bestand im Februar auf 417.000 Arbeitsstellen. Nach Wirtschaftszweigen differenziert beruht das Plus in der gleitenden Jahressum- me zu mehr als der Hälfte auf Meldungen aus der Arbeitnehmerüberlassung (+ 255.000 oder + 55 Prozent). (BA Bericht Februar 2011 Seite 10/11)

Zahl der Erwerbstätigen

Als Erwerbstätigkeit zählt: Tätigkeit (Mini-Job) einem Ein-Euro-Job nachgehen und Personen in Mutterschutz oder Elternzeit….!!!

Erwerbstätige – Definition der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) Und selbstver- ständlich wird die die Zahl der Erwerbstätigen ebenso wie die Zahl der Arbeitslosen nicht durch genaues zählen sondern durch Hochrechnungen und Schätzungen ermit- telt.

Die Erwerbstätigenzahlen der Erwerbstätigenrechnung stützen sich auf eine Vielzahl von statistischen Quellen, um möglichst alle verfügbaren Datenquellen in dieSchätzung einfließen zu lassen.

Die manipulative Propaganda-Aussage, dass die Erwerbstätigkeit und die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf immer neue Höchststände steigt, können Sie guten Gewissens der Pipi Langstrumpf Welt der Märchen und Mythen zuordnen.

Die Krux ist, das jede/r das scheitern von Hartz IV erkennen kann, ohne das er/sie nur einen Blick auf Statistiken benötigt.

Alleine die finanziellen Mehrausgaben der Kommunen und des Bundes seit 2005 sind der Beweis, dass das angestrebte Ziel der Entlastung der Sozialhaushalte nicht nur nicht erreicht wurde sondern das die Sozialhaushalte der Kommunen mit der Einfüh- rung von Hartz IV sprichwörtlich, wie die Zahl der Personen in Armut/Armutsgefähr- dung, explodiert sind.

In einen Satz die Gemeinschaft der Steuerzahler zahlt in Hartz IV mehr ein aber vieleALG II Leistungsempfänger erhalten weniger. (als 2004)

Das Geld versickert in Arbeitsmarkt-Maßnahmen (Bürgerarbeit/Ein Euro Job/ …) und ergänzenden ALG II/ Hartz IV Zahlungen 1,4 Millionen Personen (Minijobber, Leih und Zeitarbeit, prekäre Beschäftigung…)

Grundsatz der Hartz IV – Ideologie:

„Ein Arbeitsloser ist solange an seiner Arbeitslosigkeit selbst schuld, bis er das Gegenteil beweisen kann“

Fazit der Zahlen

Der Vergleich der Leistungsempfänger Personen(ALG; ALHI) von Dezember 2004 (Im BA Bericht Dezember 2004 wird die Zahl der Leistungsempfänger auf Seite 24 mit 4.321.000 Personen beziffert) ebenso wie der Vergleich der Leistungsempfänger

Im Januar 2005 waren 7.676.457 Personen im Leistungsbezug (ALG I, ALG II, Sozialgeld)

Im Februar 2011 waren 7.605.352 Personen im Leistungsbezug (ALG I, ALG II, Sozialgeld)

Ergibt im Vergleich zu Dezember 2004 einen stolzen Anstieg von rund 75 % neben- beierhalten rund 1 Million Personen Sozialhilfe (SGB XII)in der immer noch be- stehenden Sozialhilfe.

Im Vergleich zu Januar 2005 ist nur ein marginaler Rückgang – ca. 70.000 Leistungs- empfänger feststellbar (unter Berücksichtigung der Demografie) ist kein Rückgang (sondern ein prozentueller Anstieg bezogen auf die Erwerbsfähigen) der Leistungsempfänger im Rechtkreis (SGB II/SGBII) 2005 vs.2011 ersichtlich.

So ist auch nicht nachvollziehbar transparent dargestellt, dass neben der Gruppe der Maßnahmen Teilnehmer in der Regel auch die Gruppe der unter 25 jährigen und über 58 jährigen die Kranken und Arbeitslose die extern betreut werden aus der Statistik der Arbeitslosen verschwunden sind, obwohl auch diese Personen arbeitslos sind.

Der deutsche Arbeitsmarkt ist offensichtlich nicht, wie die Medien gleich klingend be- richten, eine Insel der Glückseligen in einem Meer der hohen Arbeitslosigkeit in Europa und den USA.

Sybillas Kommentar

Das Ziel der Vollbeschäftigung also dem ureigenen Bedürfnis eines Menschen, dass ein Erwerbstätiger von seiner Hände Arbeit auch eine selbstbestimmte Existenz für sich und seine Familie (ohne ergänzende Hartz IV Leistungen) gestalten möchte/kön- nen muss, bleibt auch im deutschen Arbeitsmarkt ein unerfülltes Ziel, das Ziel wurde von der Politik und teilen der Gesellschaft augenscheinlich aufgegeben.

Das Ziel der Arbeitsmarktreform der Politik und teilen der Gesellschaft ist das jeder Arbeitslose irgendwie in Ein Euro Job; Bürgerarbeit; Maßnahmen, Minijobs oder im Niedriglohnbereich beschäftigt wird. In der Regel verlautbart der BA unter großem euphorischem Jubel der öffentlich rechtlichen Staatsmedien und vieler Print-Medien, dass die statistisch erfasste Zahl der Arbeitslosen gesunken ist.

Auf mich wirkt diese Szenerie nahezu hysterisch. Der Plan ist zwar wie von der Politik gewünscht, im Sinne der veröffentlichten Zahlen übererfüllt. Aber viele vermuten ( sie- he Kommentare der Online Artikel) das die Zahlen zur Erwerbstätigkeit und zur Arbeitslosigkeit in den BA Berichten verkürzt wiedergegeben und von der Politik und den Medien einseitig tendenziös interpretiert werden.

Ich vermute gar, die Statistik des Arbeitsmarktes gleicht einen Potemkinsches Dorf, sie wird durch das Herausrechnen vieler Arbeitsloser (Ein Euro Jobber; Bürgerar- beiter, 0 Euro Praktikanten…) fein herausgeputzt, um den tatsächlichen, verheerenden Zustand des Arbeitsmarktes zu verbergen. Oberflächlich wirkt die Statistik durch die Zahl der Unterbeschäftigten ausgearbeitet und beeindruckend, es fehlt ihr aber an Substanz.

So wird reißerisch und triumphal ein Beschäftigungsrekord und ein Rekord der offenen Stellen verlautbart aber gleichzeitig wurden die Beiträge für die GKV auf 15,5 % + Zusatzbeiträge diverser Krankenkassen angehoben. Wenn es tatsächlich einen Beschäftigungsrekord der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse geben würde, dann dürften die Beiträge zur GKV nicht steigen sondern sinken. Wem hilft ein Beschäftigungsrekord der mit 0 € Praktika, 1 € Jobs, Bürgerarbeit, Beschäftigung- und Übfirmen sowie einen Heer von 400 € Jobber erreicht wurde. ?

Wie ist die Meldung von den Rekord der offenen Stellen einzuordnen? Im BA Bericht Februar 2011 werden auf den Seiten 10/11 lediglich 417.000 gemeldete Stellen ausge- wiesen in der BA – Jobbörse Stand 01.03.11 steigt die Zahl wunderbare Weise auf 724.956 Stellen an. Ist das ein erneutes Wunder?

Eher nicht, bei der Erfassung der offenen Stellen entstehen durch die Einbeziehung diverser Jobbörsen entstehen Mehrfachnennung- Redundanzen, so wird aus einem offenen Arbeitsplatz, der in 10 Jobbörsen aufgeführt ist, leicht 10 offene Stellen. Der Erfolg am Arbeitsmarkt begründet sich im Niedriglohnsektor, der Zeit und Leiharbeit (Erpressung am Arbeitsplatz – Wie Leiharbeiter ausgenutzt werden), den Ein Euro Jobs (Städte missbrauchen Ein-Euro-Jobs) und in der so genannten Bürgerarbeit. Diese Art der Beschäftigung ist und bleibt meines Erachtens Blendwerk und Men- schenunwürdig.

Wem außer der Politik der BA Zahlenstatistik oder den chronisch klammen Kommu- nen, ist diese Art der Beschäftigung hilfreich? Den/Der Arbeitslosen? Den/Der Steuerzahler/in ? George Fitzhugh publizierte um 1854 ein Buch, in dem er sagte:

„Einige Menschen sind mit einem Sattel auf dem Rücken geboren, und andere sind gestiefelt und gespornt, um diese zu reiten. Und es tut ihnen gut!“

Ist das der ideologische Grundgedanke der Ein Euro Jobs und der so genannten „Bür- gerarbeit“ Wem nützt eine kreative Arbeitslosenstatistik, wenn diese nur aufgrund von Schätzungen, Hochrechnungen der BA und der statistischen Zählwiese eine Zahl der Arbeitslosen um 3 Millionen Personen ermittelt? Wie hoch wäre die Zahl der Arbeitslo- sen im Februar 2011 wenn diese mit den Grundlagen von 1992 gezählt würden? Fragen über Fragen, der BA Bericht bleibt und die Politik bleibt viele Antworten schul- dig.

Fußnoten

Fußnoten zur Untererfassung BA Bericht Februar 2011 Seite 79

1) Die Hochrechnung am aktuellen Rand ist derzeit aufgrund fehlender Erfahrungs- werte oder technisch nicht realisierbar, darum ist der Vergleich mit Vorjahresergeb- nissen nur eingeschränkt möglich.

2) Die Einmalleistungen umfassen: Vermittlungsgutschein, Förderungen aus dem Ver- mittlungsbudget, Sachmittel für Selbstständige, sowie Einmalleistungen zu den sonsti- gen weiteren Leistungen nach § 16 (2) S. 1 SGB II und zur Freien Förderung nach § 16f SGB II

3) Es ist von einer Untererfassung auszugehen, so haben bundesweit für 2010 [Ja- nuar bis September, Datenstand Dezember 2010 - endgültige Werte] nur ca. 69 % der Träger Daten zum Einsatz der komm. Eingliederungsleistungen (flankierende Leistun- gen) erfasst.

4) Als Datengrundlage dienen Zahldaten, die grundsätzlich je Kalendermonat im Nach- hinein erfasst werden. Zugänge des aktuellen Berichtsmonats sind somit nur bis zum Ende des Vormonats verfügbar.

5) Aus datenschutzrechtlichen bzw. technischen Gründen werden derzeit nicht alle Teilnahmen erfasst. Bis auf weiteres ist von einer Untererfassung der Teilnahmen auszugehen.

7) Auf Grund der Trägergebietsreform in Sachsen und Sachsen-Anhalt zum 1. Januar 2011 ergeben sich Untererfassungen bei einzelnen Jobcentern in kommunaler Trägerschaft.

8 ) Die individuelle Förderung der Teilnehmer mit Beginn ab 01.01.2009 erfolgt auf Grundlage des zum 01.01.2009 eingeführten § 46 SGB III.

9) Ab Januar 2009 werden revidierte Werte auf Basis von Abrechnungslisten berichtet, bis Dezember 2008 erfolgt die Ermittlung der Werte auf Basis von Betriebsmeldun- gen.

5. Statistische Hinweise zur Arbeitsmarktpolitik – Entlastung durch Arbeitsmarkt- politik und Unterbeschäftigung – BA Februar Bericht 2011 Seite 42 – 45

….

Folgende arbeitsmarktpolitische Instrumente werden aktuell in die Entlastungsrech- nung der BA einbezogen:

- Vollzeitäquivalent der Kurzarbeit: Zahl der Kurzarbeiter mal durchschnittlichem Ar- beitszeitausfall,

- Maßnahmen des zweiten Arbeitsmarktes: Arbeitsgelegenheiten, ABM, Beschäfti- gungszuschuss

- berufliche Weiterbildung (einschl. Reha), Eignungsfeststellungs- und Trainings- maßnahmen (einschl. Reha; Restabwick-lung), Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung

- Vorruhestandsähnliche Regelungen: Inanspruchnahme des § 428 SGB III im Rechts- kreis SGB III (Restabwicklung), Personen in geförderter Altersteilzeit, Regelung des § 53 a Abs. 2 SGB II

- Förderung der Selbständigkeit: Gründungszuschuss, Einstiegsgeld Variante Selbständigkeit und Existenzgründungszu-schuss (Ich-AG; Restabwicklung).

Außerdem werden Personen, die arbeitsunfähig sind und Arbeitslosengeld auf Basis des § 126 SGB III beziehen, zur Unterbe-schäftigung gezählt.

Erstellt von Sybilla am 01.03.11

Jeder darf diesen Bericht unter Hinweis auf die Autorin frei verwenden.