Freitag, 21. März 2008

Was bitte ist Hyman Minsky's "Magic Moment"

Im Gelben Forum (dasgelbeforum.net) findet sich von dottore geschrieben folgender Satz:
Die Große Kontraktion ist unterwegs. Während ihres Verlaufs kann es jederzeit zu Hyman Minskys "magic moment" kommen. Der ist dann nicht lustig.
Schauder und Ungemach scheinen im Anmarsch zu sein und dottore findet das dieser Moment einiges an Überraschungen parat hat. Hyman Minskys kennt kaum einer der sich nur halbwegs in der Szene des großen Geldes und der Wirtschaft auskennt. Begriffe wie Minsky-Moment, Minsky-Kollaps oder Minsky-Meltdown sind wie Schall und Rauch.

Wikipedia: Hyman Philip Minsky (geb. 23. September 1919 in Chicago; † 24. Oktober 1996 in Rhinebeck, N.Y.) hat folgende These in die Welt gerufen:
Minskys Idee ist relativ einfach: In einer langen, stabilen Aufschwungphase werden die professionellen Anleger zu wagemutig. Um immer höhere Renditen zu erzielen, gehen sie immer höhere Risiken ein, ohne sich ausreichend abzusichern. Daraus entsteht eine spekulative Blase, deren Platzen unausweichlich ist.
Die Kritik an Minskys Thesen stützt sich auf die klassische Lehre, nach der die Märkte ausreichend effizient sind, die Risiken zu begrenzen. Kennt man die aktuelle Lage ist diese Kritik unberechtigt und man neigt dazu Minskys Idee eine Favoritenrolle zukommen zu lassen.

Nun nochmal dottore im Forum:
diverse Dinge haben wir seit letztem Sommer gelernt:
1. Selbst Banken, die nicht "too big to fail" sind, dürfen mit Steuergeldern weiterkrauchen (IKB aktuell - 9 Mrd Steuergelder hinweg) oder werden, so sie Bantamgewicht erreichen, sozialisiert (Northern Rock - ca. 30 Mrd GBP Steuergelder hinweg). Dazu die Varianten beim Investment-Banking (BSC), die selbst keine Kundengelder hatten, usw.
2. Einlagen bei Banken sind - je nach Land, EU-Regeln usw. - gesichert. Dabei weiß allerdings niemand, wie es um die entsprechenden "Fonds" steht, da strengstes Schweigegebot besteht. Es existiert also immer noch ein Bankgeheimnis - für Banken selbst. Außerdem sind auch in D die berühmten max. 30 % des EK für jeden Einleger dubios, da der Einlagensicherungsfonds im Falle einer "Bankenkrise" nicht zu Zahlungen verpflichtet ist.
3. Da die Finanzindustrie nicht mit ihren wirklichen Trash-Exposures rüberkommen will (es gibt keinen Markt für diese oder jene Titel und anderes Gerede), bleibt das Misstrauen immens (als Beispiel das CS-Announcement), siehe die hier schon mehrfach erwähnten Abläufe am Geldmarkt.
Von der Wall Street zu Main Street oder auf Deutschland assoziert vom Potsdamer Platz zur Sonnenallee? Nun aber erstmal die Frage beantwortet wer ist dottore?

Game Over mit 3-maliger Ansage von - weissgarnix.de

Zitat: Der Mann heisst Paul C. Martin, Insidern besser bekannt unter seinem nom de plume “dottore” im “Gelben Forum”.Wenn einer wie er sich 3x hintereinander zu Wort meldet, mit einer quasi-Endzeitbotschaft, dann sollte man diese nicht ungehört vorbeiziehen lassen, sondern sich ein wenig damit befassen. Zumal, wenn es sich um jemanden handelt, der nicht gerade eben erst auf den “Deflations“-Zeitgeist-Zug aufgesprungen, sondern der seinen grundsätzlichen Aussagen seit über 20 Jahren treu geblieben ist.

Im Gegensatz zu vielen anderen “Berufenen”, die landauf, landab mal vom “Crash” schwadronieren, ist Paul C. Martin garantiert kein akademisches Leichtgewicht. Im Gegenteil: der Mann versteht Ökonomie als “Universalwissenschaft”, hat die Basics u.a. bei Milton Friedman in Chicago gelernt, sich aber schnell wieder von den Lehren des Monetarismus abgewendet. Seither bedient sich Martin eines überaus breiten Spektrums an Materialien aus Geschichtsforschung, Soziologie, Archäologie und diversen anderen Disziplinen. Grundlage seines Kapitalismus-Modells sind die Arbeiten der Bremer Professoren Gunnar Heinsohn und Otto Steiger zur Theorie der Geldentwicklung aus Eigentumsrechten. Diese hat Martin bereits Mitte der 80er-Jahre aufgegriffen, in Werken wie “Der Kapitalismus“, “Die Krisenschaukel” oder “Formeln für den Staatsbankrott” einem breiteren Publikum zugänglich gemacht und mittlerweile auch zu seiner eigenen Theorie weiterentwickelt.

Beginnt jetzt die Phase 2 von Michael Winkler?
Wer diese Kolumnen schon längere Zeit liest, kennt natürlich den Phasenzähler, der sich langsam auf 2.0 zubewegt. Diese Phasen habe ich zum ersten Mal im Artikel Der Untergang benutzt, als "Taktgeber" oder "Meilensteine" auf dem Weg in den Zusammenbruch unseres Staatswesens. Seit dem 9. November 2007 stehe ich auf Phase 1, die ich aufgrund beginnender Versorgungsschwierigkeiten in Deutschland für erreicht ansehe. Phase 2 bedeutet merkbare Versorgungsschwierigkeiten, oder eben Mangelwirtschaft.

Das Phasenmodell betrachtet die Auswirkungen des Weltgeschehens aus deutscher Sicht. Zynisch formuliert: Solange Israel den Gazastreifen bombardiert, hat das für uns keinerlei Bedeutung, weil die dort eingepferchten semitischen Ureinwohner nichts haben, was uns fehlen könnte. Bombardiert Israel hingegen die iranischen Atomanlagen, dann wirkt sich das auf die Phase aus; nicht etwa deshalb, weil hier Angehörige eines arischen Volksstammes sterben, sondern weil dies direkte Auswirkungen auf den Ölpreis haben wird.

Alt Bundeskanzler Helmut Kohl hatte anders wie Mehdorn und Merkel nie eine besonders gute Meinung über Banker: Wenn’s wirklich eng wird, pflegte er zu sagen, „kriechen die Herren doch ganz schnell unter den engen Rock des Staates“. In diesen Tagen ist hübsch zu beobachten, wie Josef Ackermann 60'zig, Chef der Deutschen Bank, husch, husch unter den Rock anderer Leute kriecht und dabei auch noch deren Taschen durchwühlt. Jetzt kommt nach Abschreibungen der große Einnahmen-Ausfall und sie werden für ihren Hochmut weiter bluten. Selbst wenn die Finanzkrise irgendwann ausgestanden sein sollte, werden die Bankaktien sich nicht so schnell wieder erholen, fürchtet Peter Oppenheimer, Aktienstratege von Goldmann Sachs in London. Oma und Opa hatten absolut Recht traue keiner Bank!!!!